Zum Inhalt springen
ip

Netzwerk & Infrastruktur

Praxisnetzwerk planen: was in die Wand gehört

Netzwerkplanung ist das einzige IT-Thema, bei dem eine Entscheidung für zwanzig Jahre fällt. Kabel liegen in Wänden, und Wände werden nicht wieder aufgemacht, weil jemand eine Dose vergessen hat. Deshalb lohnt es sich, diesen Teil einmal richtig zu machen.

7 Minuten LesezeitVeröffentlicht am Zuletzt geprüft am

Wie viele Dosen wohin

Die häufigste Fehleinschätzung ist, nach heutigen Geräten zu planen. Richtig ist, nach Positionen zu planen, an denen jemals etwas stehen könnte.

  • Behandlungszimmer: mindestens zwei Dosen am Arbeitsplatz, plus je eine für Bildgebung und Behandlungseinheit
  • Empfang: vier bis sechs Dosen — Arbeitsplätze, Kartenterminal, Drucker, Telefon
  • Röntgen: zwei Dosen, auch wenn das Gerät heute nur eine braucht
  • Labor: zwei bis vier Dosen je nach Geräteausstattung
  • Büro und Sozialraum: je zwei
  • Flure und Wartebereich: je eine Dose pro geplantem Access Point, an der Decke
  • Technikraum: alles läuft hier zusammen, plus Anschluss für den Internetzugang

Kabelqualität und Wege

Für neue Installationen ist Cat. 6A der sinnvolle Standard — der Aufpreis gegenüber schwächeren Kategorien ist gering, die Nutzungsdauer deutlich länger. Bei Verbindungen zwischen Etagen oder Gebäuden ist Glasfaser die richtige Wahl, auch wenn die aktuelle Geschwindigkeit sie noch nicht erfordert.

Wichtiger als die Kategorie ist die Verlegequalität: Sternförmig von jeder Dose zum Verteiler, keine Zwischenverbindungen, ausreichende Biegeradien, ausreichender Abstand zu Stromleitungen. Und jede Strecke gemessen, mit Protokoll. Ohne Messung wissen Sie erst dann, dass eine Leitung schlecht liegt, wenn die Praxis läuft.

Der Technikraum

Server und Netzwerktechnik brauchen einen eigenen, abschließbaren Raum — nicht den Putzschrank und nicht die Ecke im Sozialraum. Die Anforderungen sind überschaubar, werden aber regelmäßig übersehen.

  • Abschließbar: Zugriffsschutz ist auch eine Datenschutzanforderung
  • Belüftet: Serverhardware erzeugt Wärme, und Hitze verkürzt die Lebensdauer erheblich
  • Trocken: keine Feuchträume, kein Keller ohne Feuchtigkeitsschutz — gerade in Küstennähe relevant
  • Eigener Stromkreis mit ausreichend Absicherung und Platz für die unterbrechungsfreie Stromversorgung
  • Nicht neben Behandlungs- oder Wartezimmern: Lüftergeräusche sind hörbar

Netze trennen

In einer Praxis hängen sehr unterschiedliche Geräte am selben Kabel: Praxissoftware, Telematikinfrastruktur, Bildgebung, Patienten-WLAN, Telefonanlage, teils Gebäudetechnik.

Diese Geräte gehören in getrennte Netzsegmente mit klaren Regeln, welche Seite mit welcher sprechen darf. Das ist Betriebssicherheit — ein überlastetes Gäste-WLAN bremst dann nicht die Abrechnung — und IT-Sicherheit, weil ein kompromittiertes Gerät nicht automatisch an die Patientendaten kommt.

Voraussetzung dafür sind verwaltbare Switches. Der Aufpreis gegenüber einfachen Geräten ist gering, und ohne sie ist eine saubere Trennung nicht möglich.

Getrennte Netzsegmente in der PraxisEin verwalteter Switch trennt vier Segmente: Praxisnetz (Server, Arbeitsplätze, Drucker); Telematik (TI-Anbindung, Kartenterminals); Medizingeräte (Röntgen, DVT, Laborgeräte — kein Internetzugang); Gäste-WLAN (Patientengeräte — nur Internet).VerwalteterSwitchRegeln, wer mitwem sprechen darfEIN KABEL, VIER GETRENNTE NETZEPraxisnetzServer, Arbeitsplätze, DruckerTelematikTI-Anbindung, KartenterminalsMedizingeräteRöntgen, DVT, Laborgeräte — kein InternetzugangGäste-WLANPatientengeräte — nur InternetEin kompromittiertes Gerät im roten Segment erreicht die Patientendaten nicht.

Reserve einplanen

Legen Sie mehr Leitungen, als Sie brauchen. Eine zusätzliche Leitung während der Rohbauphase kostet Material und ein paar Minuten Arbeit. Dieselbe Leitung nachträglich in eine fertige Praxis zu bringen, kostet Stemmarbeiten, Malerarbeiten und eine Unterbrechung des Betriebs.

Als Faustregel: pro Raum eine Dose mehr als geplant, und im Verteiler mindestens ein Viertel der Ports frei.

Häufige Fragen

Für Tablets und Besucher ja, für Arbeitsplätze, Server, Bildgebung und Kartenterminals nein. WLAN ist ein geteiltes Medium und wird genau dann unzuverlässig, wenn viel los ist. Gutes WLAN entsteht ohnehin erst durch ordentlich verkabelte Access Points — auch der Funkweg braucht also Kabel.

Dieser Beitrag beschreibt technische Zusammenhänge und ersetzt keine Rechts- oder Abrechnungsberatung. Verbindliche Auskünfte zu Vorgaben, Fristen und Nachweispflichten erteilen Ihre Kassenärztliche bzw. Kassenzahnärztliche Vereinigung sowie die zuständige Datenschutzaufsichtsbehörde.

Weiterlesen

Reden wir über Ihre Praxis

Schildern Sie kurz Ihre Situation — wir melden uns innerhalb eines Werktages. Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.